Traumaheilung / Inneres Kind / Aufstellungen

Was sind Traumata?

Ein Trauma ist ein Überlebensmechanismus, der einsetzt, um eine überwältigende Erfahrung zu überleben. Die intensiven Gefühle und oft auch das gesamte Erleben werden abgespalten und ins Unterbewußte verdrängt. Diese Energie wird nun durch eine mehr oder weniger offene Schutzwand aus Betäubung, Vermeidung und Ablenkung und anderen Überlebensstrategien gefangen gehalten.
Ein Schocktrauma entsteht durch einzelne lebensbedrohlich erlebte Trennungs- oder Gewalterfahrungen. Ein Bindungstrauma entsteht durch eine frühe dauerhafte lieblose Situation in der Herkunftsfamilie. Eine Bindungstörung zur Mutter kann sich schon im Mutterleib, bei der Geburt oder in den ersten Monaten ausprägen. In den ersten Lebensjahren wird das Kind dann auch durch den Vater, ältere Geschwister und anderen wichtige Bezugspersonen geprägt, aber nichts reicht in ihrer Wichtigkeit an die Mutterbindung heran.
Traumatisierend wirkt nicht nur ein Zuwenig an liebevoller Bindung, sondern auch ein Zuviel an Bindung durch Übernahme von Traumagefühlen durch das Kind. Von einem Symbiosetrauma oder von einer systemischen Verstrickungen sprechen wir, wenn Mutter, Vater, die Großeltern oder andere wichtige Systemmitglieder traumatisiert sind und diese Gefühle und die entsprechenden Abwehrstrategien vom Kind unbewußt übernommen werden. Dies geschieht, weil das Kind zu klein ist, um zu unterscheiden und später, weil es zuwenig positve Bindungsmöglichkeiten hat und daher die Bindung im Leid sucht. Andererseits suchen die Eltern (bewußt oder unbewußt) Entlastung über das Kind.
Traumata führen zur Spaltung in der Psyche. Die verborgenen Traumagefühle können durch ähnliche heutige Erfahrungen geweckt werden. Hinter den sogenannten Reinszenierungen im Leben steckt der unbewusste Wunsch nach Heilung (die Spaltung zu überwinden). Die Überlebensmuster wollen um jeden Preis die Wiederholung des Traumas verhindern, erzeugen so aber sehr viel zwischenmenschliches Leid, sowie körperliche und psychische Symptome. Dann gibt es in der Psyche immer auch gesunde Anteile, die allein die Heilung bewusst einleiten können.
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Was ist das Innere Kind?

Wir können uns vorstellen, dass in uns immer noch das Innere Kind von damals lebt, das sowohl die unterdrückten abgespaltenen Traumagefühle, als auch die Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster trägt, die diese Gefühle abwehren (Überlebensmuster). Um die Beziehung zu den Eltern zu retten, hat sich das Kind angepasst, mitunter bis zur Selbstaufgabe. Es verhält sich so, wie die Eltern es wollen und brauchen, um vielleicht irgendwann doch noch deren Liebe zu bekommen. Oder es hat sich in sich selbst zurückgezogen, um so wenigstens nicht mehr verletzt zu werden bzw. sich so vor den Traumagefühlen der Eltern zu schützen. Die menschlichen Grundbedürfnisse nach Bindung und Autonomie werden nun mehr oder weniger als Symbiotische Verstrickung oder Isolation gelebt. Aus ihnen erwachsen die bekannten Varianten: Helfersyndrom oder Perfektionismus (Liebe durch Leistung und Erfolg); Manipulation und Kontrolle von Menschen und Situationen (durch Macht, zwanghaftes Nettsein, Krankheiten); ständige Abwehr (durch Nörgeln, Kritik, Wut und Kampf); Scheinautonomie (kommt alleine klar, andere sind zuviel); das ewige Kind (braucht Hilfe, ist erfolglos); Selbsterniedrigung (durch Selbstkritik, Scham und Schuld); Vermeidung und Betäubung von Gefühlen (durch Denken, Reden, Arbeit, Essen, Drogen, Sex usw.). Diese destruktiven Muster gehen ein Leben lang weiter, auch wenn die Abwehr im Sinne des Überlebens heute keinen Sinn mehr macht. Für eine Heilung müssen sie bewusst unterbrochen und durch liebevolles Verhalten ersetzt werden.
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Was ist der Innere Erwachsene?

Eine bewusste Wandlung kann nur aus den gesunden psychischen Anteilen, dem Inneren Erwachsenen heraus geschehen. Er hat zunächst die Aufgabe, ein Anliegen aus seiner gegenwärtigen Lebensituation heraus zu formulieren. So kann er sich auf der zwischenmenschlichen Ebene Befreiung aus symbiotischen Verstrickungen oder mehr Beziehung und Gefühle wünschen. Er kann auch anerkennen, dass alle seine Symptome im Grunde Hilferufe seines Inneren Kindes sind. Statt es weiter zu ignorieren oder zu verurteilen, kann er sich ihm liebend zuwenden. Wenn sich das Innere Kind sicher genug fühlt, wird es sich im Laufe des Prozesses erlauben, die abgespaltenen Traumagefühle wieder fließen zu lassen. Wenn nun der Innere Erwachsene diese Gefühle und damit das Innere Kind liebend umarmt, kann Heilung geschehen und die ursprüngliche Liebe zeigt sich.
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Wie geschieht Traumaheilung mit dem Inneren Kind?

Bei einem Schocktrauma stellen wir die ursprüngliche traumatische Situation auf oder gehen innerlich auf der Lebenslinie bis zu dem auslösenden Ereignis zurück und heilen, indem der Innere Erwachsene dem Inneren Kind beisteht, ihm Liebe und Kraft gibt, um dem Ereignis den Schrecken zu nehmen und es nun bewusst und engültig zu durchleben. Die angestauten Traumagefühle können endlich wieder fließen. Negative Gefühle wie Hass und Schuld werden durch Einsicht oder Vergebensarbeit aufgelöst. Das Innere Kind versteht, dass diese Erfahrung nun vorbei ist. Der gesamte Organismus kann sich entspannen.
Die Heilung eines Bindungstraumas vollzieht sich durch die Entwicklung einer festen liebevollen Beziehung des Inneren Erwachsenen zum Inneren Kind, zu seiner ganzen Gefühlswelt von Verlassenheit, Schmerz, Angst und Wut, aber auch zu seiner Neugierde, Kreativität und Freude. Das Innere Kind muss nun nicht mehr vergeblich die Liebe von Außen erhoffen, sondern bekommt diese durch die stabile innere Verbindung. Es muss sich auch nicht mehr zwanghaft schützen, da es vertrauen kann. Oft wird das Innere Kind im Bauch verortet und der Innere Erwachsene im Kopf. Die Gemeinsamkeit entsteht dann in einem offenem Herzen voller Vertrauen, Verständnis und Mitgefühl.
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Inneres Kind und FamilienAufstellung

Wenn wir in Aufstellungen mit der Herkunftsfamilie arbeiten, ist der Stellvertreter für den aufstellenden Klienten in der Regel ein früheres Kinder-Ich. Ob der Aufsteller klassisch für seinen Stellvertreter eingewechselt wird oder ob er innerhalb der Aufstellung mit dem Kinder-Ich-Stellvertreter kommuniziert, ist eine methodische Frage. Letzlich muss sich dieser Dialog im Innern des Klienten vollziehen.
Systemische Verstrickungen werden in Aufstellungen sehr gut sichtbar. Wir erkennen, wo das Innere Kind Traumagefühle oder Überlebensmuster von Eltern, Großeltern, Geschwistern oder anderen aus dem System trägt. Hier muss der Innere Erwachsene das Innere Kind an die Hand nehmen und mit ihm unterscheiden lernen zwischen dem Schicksal der Anderen und dem eigenen Leben.
Leichte biographische Traumata (leichte Schocktraumata) kann man in einer Familienaufstellung durch Hinbewegung des Klienten zum Stellvertreter von Mutter oder Vater lösen. Der Widerstand sollte hier vor allem aus den Schutzmechanismen des Kindes bestehen. Oft geht es um die Vermeidung, den Trennungsschmerz wieder zu erleben. Die Herzen der Eltern sollten für das Kind erreichbar sein. Hellinger spricht davon, „nachträglich die (damals) unterbrochene Hinbewegung ans Ziel (zu) bringen“.
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Inneres Kind und TraumaAufstellung

Schwere biographische Traumata (schwere Bindungstraumata) können nicht durch die klassische Versöhnungsarbeit gelöst werden, da die Eltern und andere Familienmitglieder selbst die Täter sind und es bei schematischer Durchführung von Vergebungsritualen zu Retraumatisierungen kommen kann. Es geht zwar darum, sich nicht in Hass und Kampf zu verstricken, den Opferstatus zu verlassen und letztlich auch anzuerkennen, dass das Leben trotz allem in dieser Familie, von diesen Eltern empfangen wurde, aber die Heilung muss sich auf die abgespaltenen inneren Anteile, auf das Innere Kind konzentrieren. Da diese Arbeit einen anderen Schwerpunkt hat als die klassischen FamilienAufstellungen, sprechen wir von TraumaAufstellungen. Diese Heilung braucht Zeit. Im Sinne einer Psychotherapie kann man hier mit mehreren Einzelsitzungen, in die eine Gruppenaufstellung integriert sein kann, arbeiten.