Was ist Arbeit mit dem inneren Kind? Was ist Traumaheilung?

Das Innere Kind und der Innere Erwachsene

Das Innere Kind trägt die prägenden, frühen Erfahrungen der Kindheit. Wenn Einzelerlebnisse wie Trennung oder Gewalt überwältigend waren (Schocktrauma) oder aber ein destruktives Muster wie Selbstaufgabe oder Isolierung als Bedingung für die Zugehörigkeit zur Herkunftsfamilie eingeübt wurde (Bindungstrauma), dann lebt das Kind von damals noch immer in uns, bestimmt uns mit seinen damaligen Überlebensstrategien, auch wenn diese heute längst keinen Sinn mehr machen.
Der Klient, der heute mit einem bestimmten Anliegen zur Therapie kommt, kann seine Sympome als Hilferufe seines Inneren Kindes begreifen. Solange er sich aber als der Innere Erwachsene weiterhin ignorierend oder verurteilend gegenüber dem Inneren Kind verhält, bleibt die innere Spaltung bestehen und wirkliche Veränderung ist nicht möglich. Der Klient fühlt sich beispielsweise abgeschnitten vom Leben, möchte gerne mehr fühlen und in Beziehung gehen, aber das Innere Kind reagiert bei mehr Intensität mit Rückzug, weil es „jetzt zuviel wird“.
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Traumaheilung mit dem Inneren Kind

Die Lösung ist die Entwicklung einer festen liebevollen Beziehung zum Inneren Kind; zu seiner ganzen Gefühlswelt von Verlassenheit, Schmerz, Angst und Wut; aber auch zu seiner Neugierde, Kreativität und Freude. Oft wird das Innere Kind im Bauch verortet und der Innere Erwachsene im Kopf. Die Gemeinsamkeit entsteht dann in einem offenem Herzen voller Vertrauen, Verständnis und Mitgefühl. So wird das Bindungstrauma nach und nach geheilt.
Bei einem Schocktrauma gehen wir innerlich auf der Lebenslinie bis zu dem auslösenden Ereignis zurück und heilen, indem der Innere Erwachsene dem Inneren Kind beisteht, ihm Liebe und Kraft gibt, um dem Ereignis den Schrecken zu nehmen. Das Innere Kind versteht, dass es diese Erfahrung überlebt hat und es nun nicht mehr hilflos und allein ist. Negative Gefühle wie Hass und Schuld werden durch Einsicht oder Vergebensarbeit aufgelöst. So wird die abgespaltene Lebenskraft wieder frei.
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Inneres Kind und Familienaufstellung

Die Arbeit mit dem inneren Kind ist mit dem Familienaufstellen sehr verwandt. Wenn wir in Aufstellungen mit der Herkunftsfamilie arbeiten, ist das auch immer Arbeit mit dem Inneren Kind. Die tiefe, unbewußte Liebe des Kindes, die sich hier oft in Form der Übernahme von Verantwortung für die Eltern und andere zeigt (Verstrickung), kann gesehen und aufgelöst werden, indem die bewußte Liebe des Inneren Erwachsenen unterscheiden lernt zwischen dem Schicksal der Eltern, Geschwister usw. und dem eigenen Leben.
Leichte Traumata kann man in einer Familienaufstellung durch Hinbewegung des Klienten zum Stellvertreter von Mutter oder Vater lösen. Hellinger spricht hier davon, „die (damals) unterbrochene Hinbewegung ans Ziel (zu) bringen“. Schwere Traumata, insbesondere die der Bindung, sind besser in der Einzelarbeit mit mehreren Sitzungen aufgehoben. Eine Aufstellung kann hier integriert sein.
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